Kunst

 „Räumlichkeit erlaubt ein Nebeneinander von narrativen Dingen. Zeitliches wird aufgelöst. Bewegung und Stillstand.“

Beschäftige ich mich seit Längerem mit traditionellen Techniken wie Tiefdruck, Zeichnen oder Fotografie, sind in jüngerer Zeit eher raumbezogene Installationskonzepte entstanden. Die verwendeten Materialien, oft aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgenommen, nehmen formal Bezug auf die thematischen Auseinandersetzungen meiner Arbeiten.
Inhaltlich werden gesellschaftliche Strukturen hinterfragt, soziologische Entwicklungen, (kultur-) politische Fragestellungen oder auch Verhaltensweisen ins Zentrum gerückt. Vermeintlich feste Muster werden beleuchtet und kritisch betrachtet.
Die Arbeiten bewegen sich auf mehreren Ebenen. Die dadurch entstehende Komplexität erzeugt verschiedene Blickwinkel, die sich einem Thema von verschiedenen Seiten her nähern. Vom Betrachter wird ein Sich-Einlassen verlangt.
Oft stehen für mich die Begriffe Bewegung und Stillstand im Vordergrund. Der Fokus liegt auf einer genauen Betrachtung, welcher durch ein Innehalten ermöglicht wird. Ich untersuche ein System oder beleuchte ein bestimmtes Thema. Die gezeigten Momentaufnahmen sind Ausschnitte oder Teilaspekte von längeren Arbeitszyklen. So ergibt sich ein Wechselspiel zwischen dem fliessenden Arbeitsprozess und den unbewegten analytischen Momenten der Reflexion. Der persönliche Schaffensprozess wird in einen kontextuellen Diskurs transferiert.
Die räumliche Umgebung von installativen Arbeiten ermöglicht den Verweis auf kontextuelle Zusammenhänge von Installationen. Der Raum ist da, gibt Anweisungen und verlangt Reaktion. Der Miteinbezug von Umraum und Dreidimensionalität gibt die Möglichkeit eines zeitlichen Nebeneinanders, schafft Platz, um Prozesse nachzuzeichnen, lässt Bewegungen darstellen und Inhalte erzählen. Räumlichkeit gibt Freiraum und öffnet den Raum für Assoziationen.
Immer wieder stosse ich auf komplexe Fragestellungen. Die Arbeiten wollen offene Fragen nicht abschliessend beantworten, sondern auf ein Vorher und ein Nachher verweisen. (Kunst-)historische Bezüge und Kontexte sowie theoretische Zugänge spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die (alltägliche) Gegenwart.
Mit diesen Momentaufnahmen wird nicht zuletzt auch die Frage thematisiert, ob ein abschliessendes Ergebnis in einem künstlerischem Prozess überhaupt möglich sei oder ob der Wunsch nach Anfang und Ende, nach Ordnung und System eine Utopie sei.

Zürich, im Juli 2013

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